Contax TVS - Die Liebe meines Lebens?

Einführung:

Nachdem Basem schon 2 eher kleinere Tests veröffentlich hat, möchte ich heute über die quasi, nach meiner Freundin natürlich, Liebe meines Lebens sprechen, der Contax TVS. Wahrscheinlich haben alle (Analog-)Fotografen den Hype um Contax mitbekommen, insbesondere die Contax T2 ging über die letzten 2-3 Jahre durch die Decke und die T3 war ja ohnehin schon unbezahlbar. Man redet immer von einer Premiumkompakten mit edler Verarbeitung, mehr Einstellmöglichkeiten und vor allem scharfer Linse. Ein Modell ist jedoch die letzten Jahre unter dem Radar geflogen, nämlich die Reihe der Contax TVS. Zoom Modelle sind ja generell nicht sehr beliebt. Nichts desto trotz ist die TVS für mich die perfekte Point and Shoot, auch wenn natürlich nicht alles Gold ist was glänzt. Der Eintrag heute soll kein Test im Allgemeinen sein, sondern eher ein kleiner Erfahrungsbericht, nach 1 1/2 Jahren Nutzung und bestimmt mindestens 40 Rollen.

Alltägliche Nutzung:

Die technischen Daten der Contax TVS könnt ihr hier im Prospekt nachlesen. Ich zähle hier eher Dinge auf, die mir bei der Nutzung aufgefallen sind:

  • Der Autofokus funktioniert gut, habe selbst kaum Ausschuss. Zusätzlich lässt sich manuell die Meterzahl einstellen, in Verbindung mit der Blendenvorwahl, ist somit sodass Zonenfokus möglich. Bei 28mm, Blende 8 und 5m zum Beispiel, ist alles im Bereich von 2m bis unendlich scharf. Das ist super für schnelles Fotografieren, wie beispielsweiße Streetfotografie.
  • Der Automatikmodus wählt oft eine große Blende, das ist eher nervig. Ich nutze daher diesen Modus meistens nicht.
  • Fokussierung bereits bei halbdurchgedrücktem Auslöser einstellbar, alternativ auch erst nach dem Auslösen.
  • Die Blende lässt sich im Blitzbetrieb vorwählen, meiner Meinung nach großer Vorteil zur T2, die den Blitz nur im Automatikmodus hat.
  • Speicherung des Blitzbetriebs möglich (immer aus / an / auto / fill flash).
  • Verschlusszeit wird als ganze Zahl im Sucher angezeigt. Vor allem für mich, der immer langsame Verschlusszeiten aus der Hand herausfordert, ist das nützlich. 1/15 kann ich meistens halten, 1/8 geht auch selten auch noch. Viele andere Kameras zeigen unter 1/30 nicht mehr genau an.
  • Belichtungszeit von 1/700 im P Modus, sonst 1/500 – 16s. Mega, wenn die Cam irgendwo auf einer Mauer steht und man nachts ewige Zeiten hat.
  • Filmlasche kann beim zurückspulen draußen gelassen werden.
  • Belichtungskorrektur von -5 bis +5 in 1/3 Schritten, sodass theoretisch massiv in die Belichtung eingegriffen werden kann und somit eigentlich eine manuelle Bedienung möglich ist. Das Rädchen ist aber sehr fummelig und eher nur zum einmaligen einstellen für den jeweiligen Film. Dadurch ist es aber auch einfach möglich, den Film trotz DX Code für das pullen/pushen zu verschießen.
  • Filter und Streulichtblenden mit 30,5mm Durchmesser sind verwendbar.

Nichts desto trotz hat die Kamera auch (subjektive) Nachteile:

  • Groß und schwer, die Haptik kann einem Angst machen. Eine Yashica T4, die teilweise genauso viel kostet, wirft man eher ungeschützt in den Rucksack.
  • Kein integrierter Deckel, es muss an einen separaten Gedacht werden. Nervig und leicht zu verlieren.
  • Es ist immer noch ein Zoomobjektiv, damit hat man wahrscheinlich nicht so eine gute Qualität wie mit einer Festbrennweite. Das kann ich weder abstreiten noch bestätigen, da ich keine Laboraugen habe.
  • Die mitgelieferte Tasche ist ein Witz und färbt teilweise ab. In die Tasche der Olympus AF-1 passt die Kamera jedoch perfekt rein.
  • Der Sucher ist relativ dunkel, dunkler als bei meiner MJU.
  • Meistens ist nach 36 Frames Schluss, selten geht einer mehr drauf.
  • Die beiden LCDs bekommen fast immer Fehler.

Die Achillesferse

Hört sich doch alles super an, aber die Kamera hat ein großes Problem. Das Flexkabel  im Objektiv ist die Achillesferse und geht meistens irgendwann kaputt. Ich kenne locker 5-6 kaputte TVS (inkl. meiner ersten). Beim Gebrauch des Zooms wird das Flexkabel zusätzlich belastet, sodass man eher nicht zoomen sollte. Dieses ist nämlich über eine Metallhalterung gefaltet und reibt beim bewegen des Objektivs daran. Dadurch entsteht die eigentliche Hauptbelastung, eher eine Fehlkonstruktion. Man liest oft, dass sie kurz vor ihrem Tod zuerst im weiterem Zoombereich nicht mehr auslöst und dann komplett stirbt. Es gibt das Kabel mittlerweile als Ersatzteil aus China und meine Kamera konnte von dem lieben Volker repariert werden. Hoffentlich hält sie wieder 15 Jahre.

Bedienung

Die Kamera ist einfach zu bedienen. Zum Einschalten muss der Knubbel vor dem Objektiv hochgeschoben werden, damit zoomt man auch. Am Objektiv selbst befindet sich der Blendenring, womit man nach dem Programmautomatikmodus P die Blende vorwählen kann. Laut Anleitung gibt es eine Besonderheit:

Wenn bei Brennweite 28 mm die Blende F3,5-4 gewählt wird, ist Vorsicht geboten, da die Lichtmenge am Bildrand reduziert wird. Es wird daher empfohlen, bei dieser Brennweite eine Blendeneinstellung von F5,6 (grün) oder kleiner zu wählen.

Rechts oben befindet sich der Regler für den Fokusmodus, Selbstauslöserschalter, Bildzähler und der Auslöser selbst, links ein kleines Infofeld, Blitzknopf und das Belichtungskorrekturrad. Hinten ist der Sucher sowie Schalter für den Panoramamodus.

Beispielbilder

Was nützt eine noch so tolle Kamera, wenn man damit keine Bilder macht? Hier kommen ein paar Bilder von meinen letzten beiden Urlaube, Tokyo und Cote d’Azur, außer das Erste am Ammersee. Die Filme waren alle über 10 Jahre abgelaufen. Außerdem hat mein Scanner wohl anscheinend Staub gehabt und einen Kratzer durch die Negative gezogen. Hier sei nochmal gesagt, dass es keine Laborscans sind und ich zur eigentlichen Qualität der Linse nichts besteuern kann.

Fazit

Die Contax TVS hat hier und da ihre Schwächen, sei es in der Bedienung, Haptik oder Qualität. Für mich jedoch ist es die perfekte P&S und ist momentan von allen Premiumkompakten mit Abstand die günstigste. Vor allem der Fakt, dass die große Schwachstelle noch repariert werden kann macht sie attraktiv. Generell sage ich immer, man sollte seine Kamera kennen und auch wissen, was sie im Automatikmodus treibt. Die Kamera muss zu einem passen, scharfe Bilder machen sehr viele.