Kodak D76 - the one to develop them all

Ein kleiner Guide zur Schwarzweiß Filmentwicklung mit Kodak D76 von Jonas Grandke und Konstantin Walther

Catchy Basics

  • Legendenstatus aufgrund “Reportagelook”
  • Klassische Kombination mit Kodak TriX
  • Preis ca. 12€ für 3,8L. Entspricht etwa 60 Filmen Kapazität
  • Pulverförmig, extrem beständig und beliebige Lösungsmenge ansetzbar
  • Vielseitig einsetzbar; Unverdünnt oder in Verdünnungen von “1+1” bis “1+3”

Fancy Look

Charakteristisch für D76 ist wohl besonders das enthaltene Natriumsulfit, welches bei unverdünnter Entwicklerlösung den Effekt hervorruft, dass sich das in der Emulsion befindliche Silber während der Entwicklung löst. Im Anschluss setzt sich dieses teilweise wieder zwischen den Kristallen ab und erzeugt somit einen sehr smoothen und kornfreien Look. Hiermit einher geht eine weite Tonalität und eine hervorragende Definierung der Lichter.
Da dieser Effekt nur bei hoher Konzentration von Natriumsulfit entsteht, sollte man hierfür den unverdünnten Entwickler (Stock) verwenden.
D76 ist vielseitig einsetzbar und kann auch im Verdünnungsverhältnis “1+1” bis “1+3” verwendet werden. Hierbei schwächt dieser Effekt ab und man erhält einen schärferen Look mit höherem Kontrast. Somit erreicht man aber den klassischen körnigen Reportagelook. Außerdem verlängern sich bei einer Verdünnung natürlich auch die Entwicklungszeiten.

Santiago Lösslein /  IG

David Schaller / IG

Tobias Friedauer / IG

The one to develop them all

Wir lieben den Look von unverdünntem D76 und fokussieren uns deshalb im folgenden auch darauf.
Hervorragende Ergebnisse liefert er sowohl mit Kodak TriX, als auch vielen weiteren klassischen SW Emulsionen. Zudem verhält sich der Entwickler im Einsatz mit modernen Flachkristallfilmen äußerst zufriedenstellend und macht einen zusätzlichen Spezialentwickler zB. Kodak TMax Entiwckler für diese Art von Filmen obsolet.

35mm:
  • Agfa APX 100 @ 100
  • Fujifilm Acros 100 @ 100
  • Ilford Pan F @ 50
  • Ilford FP4+ @ 100
  • Ilford HP5+ @ 250, 320, 400, 800 & 1600
  • Ilford Delta 400 @ 400 & 800
  • Kodak TriX @ 320, 400 & 800
120:
  • Fujifilm Acros 100 @ 100
  • Ilford Pan F @ 50
  • Ilford FP4+ @ 100
  • Ilford HP5+ @ 250, 320, 400, 800 & 1600
  • Kodak TriX @ 320, 400 & 800

Jonas Favoriten sind hierbei APX 100 für 35mm und HP5+ @ 800 im Mittelformat.
Konstantin bevorzugt APX 100 und Kodak TriX @ 320 für 35mm und HP5+ @ 320 für Rollfilm.

Vorbereitung

Am wichtigsten ist hierbei ein korrekt angesetzter Entwickler. Hier kommen wir auch zur einzigen Eigenheit von D76. Man muss den Entwickler bei 60°C ansetzen. Natürlich wird er erst bei 20°C Raumtemperatur verwendet, d.h. man sollte ihn rechtzeitig anrühren, weil er noch Zeit zum Abkühlen benötigt.
Anrühren ist auch direkt das richtige Stichwort. Für einen Liter Stock-Entwickler rührt man 110g des Pulvers in 800 ml auf 60°C erhitztes Wasser ein. Dann heißt es fleißig rühren bis sich auch die letzten Körnchen gelöst haben. Dies verhindert, Ablagerungen, welche die Konzentration verfälschen würden. Anschließend wird dann auf den vollen Liter aufgefüllt. Hierbei ist wichtig einen Messbecher zu verwenden und nicht ‘’einfach’’ 200ml hinzuzufügen. Stichwort hier ist Pulvervolumen.

Entwicklung

Ist der Entwickler erst einmal angesetzt, entwickelt es sich für alle SW Filme nahezu identisch.Beim D76 als Stock haben wir verhältnismäßig kurze Entwicklungszeiten, sodass man mit dem Standard vom Datenblatt und alle 30sec Kippen nichts falsch macht. Natürlich kann man das ganze dann nach seinen Präferenzen und Workflow anpassen. Hilfreich hierbei ist es ganz allgemein der gleichen Kombination aus Film und Entwickler treu zu bleiben. Ein richtig oder falsch gibt es hier nicht wirklich. Viel hängt vom eigenen Geschmack und der geplanten Weiterverarbeitung ab. Beim Digitalisieren durch Abfotografieren ist der Unterschied zwischen Negativen sicherlich weniger schwerwiegend als beim Belichten auf Papier. Deshalb möchten wir hier auch keine absoluten Empfehlungen für Entwicklungszeiten für spezielle Filme geben. Ähnlich verhält es sich mit dem Verlängern der Entwicklungszeit. Natürlich wird der Entwickler über die Lebensspanne schwächer und auf 15 Filme sollte man dem beispielsweise mit längerer Entwicklungszeit entgegenzuwirken. Letztendlich gibt es aber viele Wege dies zu kompensieren. Sei es durch die Anzahl und Länge des Kippens, durch Verlängern der Entwicklungszeit, durch Belichtungskompensation oder einer beliebigen Kombination dieser Faktoren.

Abrechnung

Abschließend lässt sich sagen, dass D76 ein universell einsetzbarer Entwickler ist. Eine normale Entwicklung erzielt bei jedem getesteten Film ausgewogene Ergebnisse und ist durchaus geeignet um die klassischen ‘’pushbaren’’ Filme um bis zu zwei Blenden zu pushen. Bei trockener Lagerung ist das Pulver nahezu endlos haltbar und aufgrund des Preises ist es auch kein Weltuntergang, wenn man nicht die volle Kapazität seiner Arbeitslösung ausschöpft. Er eignet sich also auch perfekt für Leute, die nur hin und wieder einen Film entwickeln.

D76 Guide - Schwarzweiß Filmentwicklung

Jonas Grandke

Ich bin Jonas, 23, Masterstudent in Organischer Chemie und hobbyprofessioneller Fotograf.

Meine Arbeit fokussiert sich nahezu vollständig auf monochrome Reise- und Alltagsreportage.

Mehr von meinem Schaffen findet ihr hier

Konstantin Walther

Ich bin Konstantin, 27, Fotograf aus Berlin und Teil des Analog:Kollektiv Teams.

Meine Arbeit fokussiert sich aktuell auf monochrome Porträts im Studio.

Mehr von meinem Schaffen findet ihr hier.

D76 Guide - Schwarzweiß Filmentwicklung