Film, Flugzeuge und das leidige Thema X-Ray Scanner. Eine Geschichte aus meinem Leben

Mai 2018

Reisevorbereitungen

Ich stehe im Wohnzimmer vor meinem Filmkühlschrank und überlege, was ich alles einpacken soll. Morgen fliege ich via Amsterdam und Mexiko City nach Cancun. Sommer, Sonne, Kaktus und so weiter. Da ich in erster Linie am Strand liegen möchte, reise ich fotografisch mit leichtem Gepäck. Contax T2 und die Fuji GS645, außerdem packt meine Freundin ihre SX70 ein. Für die gibt es Farbfilm, die Contax bekommt ein paar 3er Kodak Gold und für die Fuji habe ich noch einige Packungen Portra 400 und Ektar 100 da. So weit so gut. 24 Stunden und drei Flugzeuge später liege ich am Strand und esse Fischtacos, alles wie geplant. Im Laufe der kommenden zehn Tage habe ich hauptsächlich die T2 dabei und knipse ein wenig herum. Mit der SX70 fotografieren wir uns gegenseitig und unser Abendessen.

Zurück in der Realität

Wie immer ist das alles viel zu schnell vorbei und der Alltag zurück zu Hause kehrt ganz schnell wieder ein. Ein paar Tage später hole ich die Filme vom Labor und muss feststellen, dass es wirklich passiert ist:  Die Filme sind durch X-Ray-Scanner am Flughafen beschädigt.

Bis dato war ich viel mit Film im Flugzeug unterwegs, die gleichen Rollen gingen mehrmals durch den X-Ray und dabei hatte ich nie Probleme. Deshalb war ich eigentlich auch immer super entspannt damit. Alles nicht so tragisch, alles nicht so wild. Dachte ich zumindest. Das ganze muss eindeutig auf dem Rückweg passiert sein, da die Polaroids in Mexiko komplett unbeeinträchtigt waren. Sofortbildfilm ist ohnehin viel empfindlicher auf Röntgenstrahlung und da war es dann auch kein Wunder, dass die verbleibenden Frames aus der Kamera zurück in Berlin komplett unbrauchbar waren.

In der Zwischenzeit hatte ich auch eine Rolle Portra 400 in zu Hause verschossen, die mit mir unterwegs war. Wie zu erwarten, war diese auch beeinträchtig. In Windeseile durchlebe ich die ersten vier der fünf Trauerphasen nach Kübler-Ross, Leugnen, Zorn, Verhandlung und Depression, und packe im Anschluss die übrigen ungenutzen Filme beiseite, solange ich sie noch vom Rest unterscheiden kann. Zum Wegschmeißen waren sie mir dann doch zu schade.

Ursachensuche

Der folgende Absatz ist rein spekulativ, da ich nicht wirklich weiß, wo es passiert ist.

Natürlich habe ich die Filme beim Fliegen im Handgepäck, aber habe sie dann wie immer durch den X-Ray-Scanner laufen lassen. Zuerst dachte ich, dass es in Mexiko passiert sein muss. Ganz stereotyp lag die Vermutung nahe, dass dort doch sicherlich viel zu alte Scanner verwendet werden. Nach ein paar Meldungen zu den neuesten Modellen denke ich nun aber, dass es auf dem Rückweg in Amsterdam passiert sein muss. Dort mussten wir noch einmal durch einen Check mit super modernen Geräten, bei denen man auch Laptops und Flüssigkeiten in den Taschen lassen durfte. Nach 18 Stunden Reise kam mir der Gedanke, dass der Scanner unter diesen Voraussetzungen bestimmt stärker sein müsste, leider nicht mehr in den Sinn. Ich wollte einfach nur weiter zum letzten Flugzeug. Beim nächsten Mal weiß ich es hoffentlich besser.

Links: Auf den ersten Blick keine Beinträchtigung, leicht erhöhtes Korn. Mitte: Helle und dunklere Stellen im Himmel, wellenförmige Beeinträchtigung. Rechts: Rechts heller als links, erhöhtes Korn durch zu dichtes Negativ.

Januar 2020

Akzeptanz

Um die fünfte und letzte Phase der Trauer zu erleben braucht es mich fast zwei Jahre. Die Filme liegen immernoch separiert bei mir im Schrank. Mittlerweile hat Kodak die Preise einige Male erhöht und Portra 400 kostet gefühlt das doppelte als damals. Dort liegt also neben ein paar Kodak Gold noch ein ganzer Propack Rollfilm. Klar werde ich den Film für nichts kommerzielles verwenden, aber ein bisschen spielen darf schon sein. Da ich meine Filme mittlerweile auch selbst entwickele und die Kosten für den Film längst vergessen sind, hält sich das Risiko ja auch in Grenzen.

Mein nächstes Projekt Teile ich also in zwei Teile. Portraits in schwarzweiß für alle Fälle und danach Spielereien mit den beeinträchtigten Filmen. Ich stelle mir vor, wie es aussehen könnte, und erhoffe mir, dass teils wichtige und teils unwichtige Partien der Bilder vom Schaden überdeckt werden. So schnell und unbekümmert habe ich sicherlich noch nie zuvor fünf Rollen verschossen.

Wiedergutmachung

Nach der Entwicklung sehe ich schon deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Filmen. Einer davon scheint auf den ersten Blick relativ normal, hat aber in jedem Frame dunkle Streifen auf dem Negativ. Zwei sind deutlich dichter als gewöhnlich, scheinen aber über die komplette Fläche mehr oder weniger gleichmäßig beeinflusst. So ähnlich sieht das auch bei super altem Film aus, der gefoggt ist. Die letzten beiden sind sehr sehr dicht und man kaum etwas erkennen. Das ganze ist ziemlich interessant. Grundsätzlich hätte ich angenommen, dass die Filme alle in etwa die gleichen Spuren zeigen.

Wie es natürlich so ist, sind meine besten Fotos komplett unbrauchbar, allerdings sind auch ein paar Shots dabei, die ich mir mit Form und Position des Effekts nicht besser hätte wünschen können.

Links: Streifenförmige Beeinträchtigung, sehr glücklich positioniert. Mitte: Großflächige regelmäßge Beeinträchtigung, mit viel EBV sicherlich zu retten. Rechts: Dieses Mal zwei Streifen, auch glücklich positioniert nur andersherum.

Von den beiden unbrauchbaren Filmen. Starke Beeinträchtigungen, extrem dichte Negative. Sichtbare Ergebnisse dank Abfotografieren. Unmöglich zu Scannen.

Letztendlich war das ganze ein spannendes Experiment, bewusst darauf anlegen würde ich es aber natürlich nicht.

Model: Liza Molár (www.instagram.com/liza.rdqueen)

Meinen Plan B von dem Tag habt ihr sicherlich schon im Kollektiv gesehen, ansonsten checkt es auch gerne auf meinem Instagram aus.

Mehr Informationen bezüglich Fliegen mit Film direkt von Kodak findet ihr hier.