Die letzten Tage saß ich viel rum und habe gegrübelt. Es staute sich dabei etwas auf, dem ich jetzt auch nachkommen muss. Mein Anliegen: Ich möchte die Welt daran erinnern, sich auch für die schönen Dinge Zeit zu nehmen. Wahrscheinlich würde uns genau das jetzt auch besonders gut tun. Nur weil wir nicht ins Museum, oder in die Galerie gehen können, bedeutet das nicht, dass wir uns nicht mit der Kunst auseinandersetzen können.

Kunst in Zeiten von Corona

Diese drei Bilder wurden zur Verfügung gestellt von André Duhme

Gestern und heute hatte ich viel mit einem befreundeten Galeristen gesprochen. Wir philosophierten darüber, was die Situation mit uns mache und wo sie uns als Gesellschaft hinbringe. Und mir wurde bewusst, dass ich es jetzt satt habe, nur nachzudenken, was ich für die Gesellschaft tun könnte. Ich möchte besonders jetzt Kunst und den Menschen zusammenbringen. Womöglich überhaupt der Grund, warum ich Kunstgeschichte studiere.

Also tue ich das jetzt auch.

Warum das jetzt für einen Blog der analogen Fotografie interessant ist? Wir müssen uns bewusst sein, dass auch wir Kunst schaffen. Kunst, die eine besondere Zeit dokumentiert. Wir beneiden teilweise KünstlerInnen dafür, dass sie in solch einer interessanten Zeit lebten. Seien es die ImpressionistInnen in Paris, oder die ExpressionistInnen mit ihren grausamen Erfahrungen im ersten Weltkrieg, Gerda Taro und Robert Capa, die den Spanischen Bürgerkrieg fotografierten. Die Liste könnte ich ewig weiterführen. Paradox, oder?
Jetzt sind wir plötzlich mittendrin. Ein Ereignis, welches den ganzen Globus betrifft. 

Jetzt haben wir die Chance diejenigen zu werden, die das ganze hier einfangen.
Es ist eine spannende Zeit und ich bin mir sicher, dass wir auch an einem Wendepunkt stehen.
Dass wir hier raus kommen und so tun, als wäre nichts gewesen, das halte ich für unwahrscheinlich.

Also was fangen wir jetzt hiermit an? Viele von uns werden ein Erbe schaffen, auf welches wir zurückblicken können, um uns an das Jetzt zu erinnern. Wir werden Kunst schaffen. Kunst, die durch diese brisante Zeit geprägt ist. Ich denke, es wird unser aller Denken über die Welt etwas verändern. Wir bekommen neue Perspektiven, schöne und nicht so schöne.
Ich verfolge gerade aufmerksam, was geschieht. André Duhme hält das Dorfleben in seinem Ort Tag für Tag fest. Ich beobachte andere, die täglich ein Selbstbild anfertigen. Ich stelle mir Fragen, wie: „Werden unsere Kinder sich das mal anschauen und sehen können, wie wir uns von Tag zu Tag verändert haben?“

Kurz bevor ich mich ans Schreiben gesetzt habe, habe ich Aimilia geschrieben, dass ich etwas schreiben möchte. Ich möchte über Kunst, Galerien, Leere und Gefühle schreiben.
Über die Kunst habe ich nun etwas gesagt. 

Die Galerien bleiben leider für uns geschlossen, dennoch finde ich nicht, dass sie uns verschlossen sind. Zu meinen Beobachtungen zählt auch, dass die Kunstszene sich schnell anpasst. Es gibt virtuelle Führungen und Ausstellungen, wie zum Beispiel auf der Instagramseite des Rijksmuseums in Amsterdam. Selbst kleine Galerien versuchen, ihre aktuellen Ausstellungen weiterhin zu zeigen. Nur eben online. Sie strecken uns die Hand aus und wir sollten sie nehmen.
Warum? Einerseits können wir uns in eine andere Welt flüchten, andererseits können wir aus der Kunst lernen. Beispielsweise können wir lernen, wie mit anderen Krisen umgegangen wurde und wie unsere Ahnen ihre Erlebnisse in ihren Werken verarbeiteten.

Leere. Seit einigen Tagen kreisen zwei für mich schöne Sätze in meinem Kopf herum.

„Abstand halten ist gerade eine Form von Zuneigung.“ 

„Wenn wir nicht nach außen gehen können, müssen wir nach innen gehen.“

Ich weiß leider gar nicht, woher diese Sätze so richtig kommen, oder wo ich sie aufgeschnappt habe. Dennoch sind sie sehr präsent in meinem Denken.

Es ist für uns alle eine neue Situation. Das Wort der Stunde ist social distancing.
Aber das sollte keineswegs zu Leere führen. Ich versuche mich zumindest besser kennenzulernen. Stelle mir Fragen und versuche sie zu beantworten.
Dabei ist Hoffnung bei mir ein starkes Gefühl. Ich denke daran, wie wir auch diese Krise und ihre Auswirkungen bewältigen können und uns ein Stück weit auch einfach anpassen.
Dabei denke ich auch sehr an die Selbstständigen und zähle in gewisser Weise auf ihre Kreativität.
Jedoch bin ich auch da realistisch. Gerade versuche ich meinem Freund, den oben genannten Galeristen, zu helfen. Immerhin muss er auch jetzt für die Galerieräume Miete zahlen und hat gerade keine Einnahmen. Gleichzeitig ist mir bewusst, dass das überhaupt kein Einzelfall ist.

Kunst muss uns zugänglich bleiben.

Um vielleicht noch mal die Frage zu beantworten, warum ich finde, dass das hierhergehört.
Ich denke dieser Blog ist durchaus eine Plattform, genau das zu bewirken. Und ich sehe es als meine aktuelle Aufgabe, dafür zu sorgen, dass uns Kunst auch zugänglich bleibt.
Wenn ihr also Lust habt, über Kunst zu reden, oder auch Fragen habt, stehe ich euch auch gerne zur Verfügung und versuche mit euch zusammen einen Zugang zu finden.

Ihr werdet aber in nächster Zeit auch hoffentlich häufiger mal was von mir sehen. Ganz aktuell habe ich gerade die Serie „Kindheitserinnerungen“ fotografiert und sie auch zum Monatsthema #melancholie eingereicht.


Jean-Luc

 

Ich bin Jean-Luc, 23, studiere Kunstgeschichte an der Uni Trier und bin zur Zeit in mehreren Projekten und Ausstellungsplanungen eingespannt. Unter anderem Projekte und Ausstellungen, die selber gerade auf der Kippe stehen.

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