Als Julia Skopinksa in unserer Facebookgruppe Illusion als Challenge für den Monat April ausgesucht hat, stand ich vor einer ziemlich großen Herausforderung. Wie soll ich denn bloß Illusion fotografisch darstellen? Doppelte Belichtung? Reflexionen? Langzeitbelichtungen? Eine Mischung aus allem? Das haben unsere sehr talentierten Mitglieder schon gemacht. Ich wollte aber nicht aufgeben, schließlich hatte ich bisher an jeder Challenge in etwas passendes gefunden oder kreiert und gepostet. Wird ja wohl nicht so schwer sein was passendes zu finden, das die Leute anspricht? Es ist jetzt über drei Wochen her seit ihrer Ankündigung und mir ist nichts eingefallen, … bis jetzt. Doch Bevor ich loslege, möchte ich darauf hinweisen, dass dies ein rein subjektiver Artikel ist und nur mein Empfinden bzgl. diesem Thema widerspiegeln soll, inb4 rustled jimmies.

Ein Thema, das viele Filmfotografen beschäftigt ist Purismus, das meinem Empfinden nach besonders im digitalen Zeitalter sehr of diskutiert wird:

Die übertriebene Bemühung, etwas „rein“, d.h. frei von fremden, unerwünschten Einflüssen zu halten.

Das ist doch perfekt dachte ich mir. Immer wieder betone ich in diversen sozialen Medien und Gruppen, dass es sowas wie Purismus in der Filmfotografie nicht gibt. Regelmäßig werden Postings und Umfragen gemacht, welche Personen denn ihre Bilder bearbeiten. Ob es in Ordnung ist oder ob es den Spirit der Filmfotografie untergräbt. Manche setzen sich eine eigens aufgstellte Regel, was sie bearbeiten und was nicht. Andere prahlen damit, dass ihre Bilder „straght out of cam“ sein sollen.

Ich frage mich bei all dem: Wo fängt denn Purismus an? Gibt es da eine Definition? Ich weiss es nicht, aber ich bin überzeugt, dass dies nur eine Illusion ist. Eine Illusion, die man sich selbst auferlegt. Die Illusion, dass die Bilder so dabei herauskommen, wie sie gemeint waren. Ein Standard, von dem man nicht abweichen soll. Das ist in meinen Augen schon gar nicht möglich. Welcher Standard soll denn erreicht werden? Welche Referenz ist gemeint?

Selbst in der digitalen Fotografie gibt es kaum eine Referenz. Jede Kamera verabeitet die Photonen, die auf den Bayer Sensoren landen anders. Nach einem Algorithmus, den reale Personen, Ingenieur*Innen geschaffen haben und die haben nun mal einen sogenannten Bias. Nicht umsonst hört man immer von Fujifarben oder Sonyfarben. Es fängt eben schon beim Sensor an. Doch die Optiken spielen auch eine Rolle. Mal mehr Kontrast, mal weniger, mit bestimmten Beschichtungen am Glas, usw. doch es endet ja nicht mal hier. Ist der eigene Bildschirm nicht kalibriert, so ist davon auszugehen, dass die Referenz verloren geht, wenn eine andere Person sich die Bilder am Smartphone oder Laptop ansehen. Als Beispiel habe ich vier JPEGS von vier verschiedenen Vollformatkameras hochgeladen, alle stammen von den Image Comparsion Tests von DPReview.com

Gleiches gilt für die Filmfotografie. Das Ergebnis des Bildes ist immer eine Form der Interpretation. Jeder Scanner interpretiert das Negativ unterschiedlich, so wie es die Hersteller für richtig empfinden. Für manche ist ein Frontierscan das Wahre, für andere nur eine Vergrößerung aus der Dunkelkammer. Beim Laborscanner ist die Software so gut, dass das Ergebnis gut genug ist, um schnelle Abzüge daraus machen zu können ohne große Anpassungen machen zu müssen. So wie man es eben erwartet.

Ob jetzt ein Vergrößerer oder ein Laborscanner das Negativ umwandelt, spielt keine Rolle. In beiden Fällen hat und muss man Anpassungen vornehmen um das Bild so zu bekommen wie man es möchte. Beide verfügen über eigene Anpassungsmöglichkeiten für Cyan, Magenta und Gelb. Das eine ist digital per Knopfdruck zu bewerkstelligen, das andere über Rädchen. Schlussendlich kommt man nicht um Anpassungen rum, da sonst Farbstiche auftreten, die das ganze Bild zerstören.

Selbst bei Schwarzweissfotografien wurde damals in der Dunkelkammer am Bild gewerkelt. Nehmen wir als Beispiel Dodge and Burn, das man aus Photoshop kennt, ist damals in der Dunkelkammer entstanden. Unten sind zwei Beispiele von Pablo Inirio von Magnum, die sehr deutlich zeigen, welcher Aufwand hinter einem vermeintlich fertigem Bild aus der Kamera steckt. Somit ist auch der Mythos hinfällig, dass damals, als noch keine Computer gab, Bilder nicht bearbeitet wurden. Es ist schlichtweg falsch.

Es gibt natürlich Situationen, wo man eine gewisse Art von Referenz brauchte. Jene Referenz, dass man sich darauf verlassen konnte, dass die Fotos so entstehen, wie man es erwartet. Das waren damals die DIA Filme bzw. Kodachromes. Lange Zeit griff man zu diesen Slides, da damals die Farbnegative einfach nicht gut genug waren und die Emulsionen nicht konsistent genug waren. Klingt jetzt widersprüchlich, da ich vorher meinte es gebe keine ultimativen Standard bei Farbnegativen, dazu stehe ich immer noch, allerdings will ich bei Negativen die Farben sehen, die ich mir auch erwarte. Wenn etwas grün war, dann soll bei der Umwandlung auch grün dabei rauskommen und mich darauf verlassen können. Ich meine mit Standard bei Farbnegativen eher mehr eine durchgehende Konsisten bei den Farben und nicht unterschiedlichen Nuancen der Farbe grün. Klar haben auch DIA Filme ihren eigenen Look, aber dieser Look war bei den Emulsionen (davon ausgehend, dass der Film frisch ist und korrekt entwickelt wurde) gleich. Man wusste was man bekam und damit musste/konnte man arbeiten. Es gibt natürlich ein paar weitere Gründe, die man in der folgenden Einbettung zu lesen bekommt. Darin sind Auszüge aus dem Magazin „Popular Photography“, das im Februar 1984 erschien und man mehr dazu lesen kann:

Das Thema Purismus und Filmlook sorgt natürlich auch ständig unter Filmemachern immer wieder für Gesprächsstoff und dazu möchte ich euch diesen Artikel von Polygon mit Steve Yedlin ans Herz legen, der diesen Filmlook, das Klischee, komplett auseinander nimmt und natürlich Beispiele zur Verfügung stellen, die einen zum Nachdenken animiert.

Nun ja, schlussendlich gibt es daran nichts auszusetzen, die Bilder zu bearbeiten. Wenn es der Vision entspricht, wieso nicht?