Nikon Coolscan III LS-30

Wie bestimmt die meisten mitbekommen haben, wird so ziemlich alles was mit Filmfotografie zu tun hat teurer. Egal ob Kameras, Objektive oder sonstiges Zubehör. Viele Dinge steigen nur leicht, während andere ins unverhältnismäßige Nirvana gehen. Doch es gibt immer noch unentdeckte Perlen, die es verhältnismäßig günstig zu haben gibt. Ich möchte hiermit eine kleine Serie starten, wo ich gute low-budget Produkte vorstelle, die in der Regel mit unkonventionellem Methoden und etwas Fantasie benutzt werden. Im ersten Teil stelle ich euch den Nikon Coolscan III LS-30 vor, der mit modernen Betriebssystemen nicht mehr funktioniert. Dies wird kein Testbericht sein, sondern die Erklärung meines Workflows und wie man ihn einsetzt. Bei diesem uraltem Modell hier ist nichts mit Plug and Play, vor allem will er geöffnet und gewartet werden. Wem das zu viel ist habe ich hier ebenfalls günstige Scanner vorgestellt.

Der Nikon Coolscan III LS-30 ist ein Kleinbildscanner aus dem Jahre 1998 mit Staub- und Kratzerentfernung und einer Auflösung von 2700dpi. Dies entspricht bei einem 35mm Negativ in etwa 3600×2500 Pixel, also 11 Megapixel. Weitere technische Daten könnt ihr hier nachlesen. Der Scanner besitzt keinen USB, sondern einen veralteten SCSI Anschluss, den man nicht mehr bei aktuellen Computern findet. Warum kauft man dann so einen Schwachsinn? Kurze Antwort: günstig, gut und schnell.

Rat zum Kauf

Den Scanner bekommt man bei Ebay und Kleinanzeigen problemlos für ca. 100€. Es taucht alle 2-3 Wochen einer auf. Achtet unbedingt beim Kauf darauf, dass der SA-20 Strip Film Adapter dabei ist. Mit diesem Halter kann man einen einen 2-6 langen Negativstreifen automatisch scannen. Für den Diahhalter MA-20 gibts einen zusätzlichen Filmstreifenhalter, damit kann man aber kein Batchscanning betreiben. Ausdrücklich empfehle ich nicht diesen Scanner für das Scannen von größeren Diaarchiven, dafür gibts wesentlich bessere Alternativen. Oft findet man ein Rundum-sorglos Paket mit den Haltern, Software und SCSI Karte. Benutze ich aber nicht.

Geeigneter Computer

Oft ist eine Adaptec AHA-2940UW SCSI Karte dabei. Diese läuft auch noch unter Windows 10 32bit, aber ich habe keine Lust einen zusätzlichen Rechner im Zimmer stehen zu haben. Deswegen habe ich mir einen alten IBM Thinkpad T60 mit Windows XP gekauft. Dazu braucht man einen Adaptec APA-1460D Karte für den CardBus Slot. Beim Kauf unbedingt auf die Version mit dem D achten, die anderen laufen nicht auf Windows XP. Ebenso muss das passende Kabel dabei sein, Ersatz zu besorgen ist fast unmöglich. Der Adapter selbst läuft ohne zusätzliche Treiberinstallation.

Alternativ kann man auch einen IBM Thinkpad T61 unter Windows 7 betreiben. Beim Kauf eines T61 darauf achten, dass er einen CardBus Anschluss hat.  Dazu braucht man den APA.1480A oder B, die Vista Treiber laufen anscheinend auch auf Windows 7, dazu aber keine Gewähr. Natürlich funktionieren viele andere Laptops aus der Zeit auch, aber ein Thinkpad zu finden war wesentlich einfacher.

Einrichten und Wartung

Die Einrichtung ist einfach, wichtig ist bei SCSI jedoch, dass man den Scanner zuerst einschaltet, ansteckt und dann erst den Laptop einschaltet. Der APA-1460D läuft unter Windows XP ohne zusätzliche Installation. Für den Scanner brauchen die Software Version 3.1.2 von Nikon. Damit kann man eigentlich auch schon starten, die Oberfläche der Software ist jedoch nicht wirklich userfreundlich, ich nutze daher Vuescan. Alles wieder zu schön und gut um wahr zu sein oder? Die Scanner sind über 20 Jahre alt und innen meist verstaubt. Meiner Meinung nach trotzdem kein Nachteil, ich höre sooft von verdreckten Sensoren von Plustek & Reflecta Scannern und die Reinigung ist oft schwer. Hier gibts eine Anleitung zur Zerlegung und Reinigung des Scanners.

Moment mal, habe ich da doch den LS-2000 verlinkt, der damals doppelt so teuer war. Kurz: LS-2000 und LS-30 sind baugleich, Nikon den LS-30 damals in der Firmware beschnitten. Man kann den LS-30 jedoch easy zu einem LS-2000 flashen, dadurch erhält man 12 statt 10 Bit Farbtiefe pro Kanal. Auf dieser französischen Website ist das beschrieben, selbst mit meinem Grundkenntnissen und google Übersetzer habe ich das hinbekommen.

Testscans

Verschiedene Kameras und abgelaufene Filme. Ausschließlich als Bild gescannt und in Negative Lab Pro umgewandelt.

Fazit

Die generelle Bildqualität finde ich gut, besser als meine bisherigen Plustek und Reflectas, auch ist er mit Abstand am zuverlässigsten. Keine Abstürze, zickt nie rum und funktioniert einfach. Einen 6er Filmstreifen wird in ca. elf Minuten inkl. Staub- und Kratzerentfernung gescannt. Der Nachteil ist jedoch die relativ geringe Auflösung, meistens reicht es aber. Einen „okayen“ Din A3 Druck bekommt man damit noch hin. Ebenso ist mir die leichte Randunschärfe aufgefallen.

Ist dieser Scanner nun empfehlenswert? Jein, wer keine Lust auf alte Betriebssysteme, Adaptern und fummeln hat, der sollte die Finger davon lassen. Auch die Randunschärfe und die geringe Auflösung spricht eigentlich dagegen. Man erhält jedoch einen schnellen und zuverlässigen Scanner, der einfach gewartet und gesäubert werden kann, zu einem komplett Paketpreis (Scanner + Laptop + Adapter) von ca. 150€. Seid gespannt auf die folgenden Teile zu unserer Low-Budget Serie.

Wer Fragen zur Einrichtung, Kauf oder einfach mit nur über Filmfotografie quatschen möchte, kann gerne unserer Community Analog:Kollektiv beitreten.

Philipp Nguyen

Mein Name ist Philipp und ich komme aus Augsburg. Mit Fotografie bin ich 2015 in Berührung gekommen, da ich berufsbedingt mit Kameras zu tun hatte. Dort habe ich mitbekommen, dass viele Hollywoodproduktionen noch analog gedreht werden.