oder die Arbeit hört nie auf

aber irgendwie im Positiven

 

Veränderungen

In den letzten beiden Jahren bin ich ruhiger geworden. Nicht ruhiger im Sinne von langweiliger, eher gelassener. Ich fotografiere nach wie vor viel, vorwiegend Menschen, aber nicht mehr so extrem viel. Am Ende reichen mir 20 Fotos und ein paar verschiedene Ideen als 100 und das Gefühl, etwas verpassen oder vergessen zu können. Gleichzeitig verblasst das Gefühl, jedes mal das Rad neu erfinden zu müssen. Früher habe ich viel draußen fotografiert, immer irgendwo anders, immer mit einer Location im Kopf, heute macht mich der immer gleiche weiße Studiohintergrund glücklich.

 

Rückblicke

Das soll aber nicht heißen, dass ich meine alten Arbeiten schlecht finde. Ganz im Gegenteil sogar. Stand jetzt sehe ich sie einfach ganz anders als zu ihrer Entstehung. Und das ist gut, verdammt gut. Natürlich ist manches einfach nicht mehr so speziell, man ist besser geworden, würde manche Dinge anders machen, findet seine aktuellen Kameras besser oder die Filmauswahl im Nachhinein falsch oder nicht konsistent genug.
Der Großteil ist aber ein unfassbar großer Haufen an (ungenutztem) Potential. Alte B Sides können zu neuen Favoriten werden und in aussortierten Fotos findet man ungeahnte Details.

 

Theorie

Fotografie bedeutet für mich ja auch immer Fortschritt und Progress und damit auch automatisch „Besser werden“. Gleichzeit ist die Frage, ob ein Foto bei der Aufnahme oder danach entsteht, so alt wie die Fotografie selbst und wird heißer diskutiert als Ofenbaguette gegessen. Diese beinhaltet ja auch automatisch die Frage, wann ein Foto fertig ist. Meine Antwort darauf ist niemals, wenn man es denn zulässt. Als Fotograf möchte ich natürlich besser werden und das heißt in erster Linie einfach immer bessere Fotos zu machen. Ich muss meinen alten guten Fotos aber auch irgendwie erlauben, noch besser werden zu können. Ich könnte jetzt übertreiben und irgendetwas davon erzählen, dass das ganze Leben eine Reise ist, Stillstand Rückstand ist und so weiter und so fort. Upsi schon passiert. Bezogen auf seine Passion heißt das, niemals Ruhe zu geben, immer weiter Dinge zu schaffen und damit besser zu werden. Allerdings heißt das auch, niemals damit aufzuhören, sich mit bereits Geschaffenem auseinanderzusetzen. Das funktioniert auch immer in beide Richtungen.

 

und Praxis

Natürlich wird man durch Übung besser und kann gelerntes einfacher auf neue Projekte anwenden, man kann neue Skills und andere Blickwinkel, im übertragenen Sinne, auch auf sein Archiv anwenden.
Dabei gibt es ein paar verschiedene Ansätze und meistens ist es auch immer eine Kombination daraus.

 

Negative neu interpretieren

Wir fotografieren auf Film und das einfachste ist in meinem Fall die Files noch einmal durch Negative Lab Pro zu jagen. Ich werde sie nicht komplett anders interpretieren als ursprünglich, aber es wird sich danach frischer und besser anfühlen, weil eine neue Umwandlung immer näher an meinem aktuellen Geschmack sein wird. Außerdem wird man selbst geschulter im Konvertieren und die Software entwickelt sich ja auch ständig weiter.

 

 

Croppen

Ich habe lange gar nichts beschnitten, fand den schwarzen Filmrand so wunderschön und war super stolz darauf, alles im Moment der Aufnahme bereits perfekt komponiert zu haben. Irgendwie tue ich das auch immer noch, aber es ist auch manchmal einfach falsch, sehr gute Fotos deshalb abzulehnen. Also einfach noch mal alles durchgucken und nicht mehr so streng zu sich sein. Dazu ist es unfassbar, was man mit einem Blick für Details alles in seinen Arbeiten findet.

 

 

Kontext und Kuration

Egal ob Fotos alleinstehend gut oder nicht ganz so gut sind, manchmal funktionieren sie schlechter alleinstehend und deutlich besser in einem Kontext oder als Teil von etwas Größerem. Kontext und etwas größeres verlangt natürlich eine Idee und eine gewisse Größe des Werkes und vielleicht waren diese im Moment der Aufnahme noch gar nicht vorhanden.

 

Beispiele

Es folgen ein paar Beispiele. Im Grunde habe ich die Farben hinsichtlich Hauttönen neu interpretiert, durch Beschnitt störende Elemente entfernt oder das Bild wirksamer gemacht und im Falle des Details vom Haus der Kulturen der Welt hat es einfach gereicht ein wenig Staub zu stempeln und ein bisschen mehr Biss ins Bild zu bekommen. In der zweiten Slide findet ihr immer die ursprüngliche Version.

 

Ab ins Archiv

Der Winter wird lange und hell wird es wenig sein. Pandemie ist ja auch noch. Also nutzt die Zeit und stöbert im Archiv. Ihr werdet es euch selbst danken. Hoffe ich. Mir macht es jedenfalls Spaß und dieses mal braucht es auch kein aufgeblasenes Fazit.